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Liebe Leserin, lieber Leser,

im LIT-Verlag Münster erschien dieser Tage mein neues Buch:

"Die Tugend des Maßes. Temperantia macht schön."

http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13432-5

Im Buchhandel ist der Verkaufspreis 19,90 € und bei mir kostet es 15,00 €. Wer es lesen möchte, spreche mich bitte an. Dann wünsche ich viel Freude beim Lesen.

Mit einem lieben Gruß

Andreas Fritzsche

 

Entelechia

Im Frühjahr staunen wir, wie aus den scheinbar toten Ästen der Bäume grüne, zarte Blätter sprießen und sich entfalten. Dann sieht der Baum nicht mehr tot, sondern ganz vital aus. Wir fragen uns dann, woher dieses Sprießen, dieser Drang nach Lebendigkeit und das Aufblühen kommen. Nach der Blüte setzt der Baum Früchte an und lässt sie reifen. Rote Kirschen hängen dann an ihm. Was bewegt den Baum dazu?

Aristoteles entwickelte für diesen Wachstumsdrang das philosophische Kunstwort „entelechia“ – ganz wörtlich übersetzt „ein Ziel in sich haben“. Was soll das heißen? Alles Lebendige will einfach leben und sein Leben entfalten. Dieses Ziel oder dieser Drang nach Leben steckt in jedem Lebewesen inwendig drin, und dieser Werdedrang hat auch eine Richtung. Alles Lebendige will zur Blüte, zur Reife und zur Frucht, will alles, was in ihm steckt, herausholen und realisieren. Anders gesagt: Jedes Lebewesen will das ihm Mögliche auch Wirklichkeit werden lassen. Natürlich muss man sagen „unter den gegebenen Bedingungen“, aber entscheidend ist doch der zielgerichtete, innere Drang, aus dem die Bewegung zur Verwirklichung des Potentials kommt.

Wir moderne Menschen begnügen uns in der Regel mit dem faktischen Vorhandensein dessen, was ist, doch lohnt es sich weiter zu fragen: Woher kommt das? Was ist das? Worauf ist das aus? Zumindest will alles Lebendige am Leben bleiben und will Leben weitergeben. Man muss sogar sagen, dass es nicht nur am Leben bleiben will, sondern den Umständen entsprechend zur artspezifischen Höchstform auflaufen und sich vollenden will. Der Drang dahin – mit dem Ziel Höchstform oder Vollendung – liegt in allem Lebendigen als Triebfeder und Beweggrund inne. Alles Lebendige ist auf etwas aus und trägt ein Ziel in sich. Mit einem anderen Bild gesprochen: Das Weizenkorn drängt danach, nicht nur zu wachsen, sondern sogar reife Ähre zu werden – und das auch unter schwierigen Umständen. Risse man dieses Ziel aus dem Lebendigen heraus, dann nähme man ihm das Leben und es wäre tot.

Manchmal wird „entelechia“ auch mit „vollendeter Wirklichkeit“  übersetzt. Wie ist das zu verstehen? Wenn das Ziel erreicht ist, dann gelangt das Lebewesen an die artspezifische Höchstform. Die Bewegung des Lebens findet ihre Vollendung im Erreichen des Ziels. So finden wir auch Pflanzen im Lexikon abgebildet – in der Blüte und mit Frucht.

Zum Leben gehören beide Aspekte: der zielgerichtete Werdedrang von einer omnipotenten Zelle zu einem vollständigen Lebewesen und die Beendung dieser Bewegung in der artspezifischen Höchstform, in der vollendeten Wirklichkeit.

 
Ethik des Erfolgs

Unsere Zeit sei maßlos und gierig, hört man aller Orten. Doch welche Zeit war nicht maßlos und gierig? Waren frühere Generationen maßlos im Patriotismus, so ist vielleicht unsere Generation maßlos in Bezug auf ökonomischen Wachstum und Arbeit. Sprach man ehedem von Freundschaft, so redet man heute über Beziehungsarbeit. Ist unserer Zeit die Muße abhanden gekommen? Können wir ein gutes Gespräch, das zu nichts nutze ist, genießen und wertschätzen? Wenn ja, wie rechtfertigen wir die Aufmerksamkeit gegenüber einem anderen Menschen angesichts knapper Ressourcen? Durch angestrengtes Arbeiten können wir vielleicht Prozesse effizienter gestalten, um zum Beispiel die Kosten in einer Wertschöpfungskette reduzieren. Ob wir dabei kreative Lösungen finden, mag ich bezweifeln. Die europäische Geschichte zeigt, dass die Balance von Arbeit und Muße – von vita activa und vita contemplativa – eine sehr erfolgreiche Stärke unserer Zivilisation war und – so hoffe ich – ist. Darum ist es sinnvoll, bisweilen innezuhalten, sich grundsätzliche Fragen zu stellen, seine Entscheidungskriterien zu bedenken und ein tiefergehendes Gespräch zu führen – also seine persönliche Philosophie in den Blick zu nehmen.


Mein Credo verknüpft ökonomischen Erfolg mit einer philosophischer Einstellung, denn es gibt bestimmte Haltungen, die zum Erfolg führen: die Kardinaltugenden – Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß. Es gibt eine begründete Ethik des Erfolgs.