|
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
Alle Lebewesen wollen auf ihre Art und Weise leben, sie sind beseelt und verfolgen in sich ein Ziel: sie wollen leben. Darum empfinden sie Hunger, Schmerzen und Lust. Die Seele der Lebewesen gibt ihnen eine artspezifische äußere Gestalt, und wenn wir genau hinschauen sogar eine individuelle Gestalt. Über die Wahrnehmung der sie umgebenden Welt, können einige Lebewesen auch sich selbst in ihren Empfindungen erleben. Dem Hund sieht man es an, wenn er sich „freut“.
Nun haben wir gesehen, dass Menschen darüber hinaus sprechen können und sich darin von den anderen Lebewesen abheben. Menschen tauschen nicht nur Informationen und Stimmungen aus, sie können sich verständigen und die Welt aus den Augen eines anderen Menschen sehen. Sprache ermöglicht uns Menschen, die Welt da draußen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch differenziert zu sortieren. Auch unsere Innenwelt können wir so differenziert wahrnehmen: das Gefühl des Zornes wird benannt, sozusagen ins Wort gehoben, und dann kann auf dem Weg der Selbstbeherrschung der Zorn gestaltet, zum Beispiel gemäßigt werden. Ohne Worte wäre Selbstbeherrschung unmöglich.
An der Sprachfähigkeit wird eine neue Dimension deutlich, zu der Menschen Zutritt haben: die Welt des Geistes. Wie kommt es, dass Menschen sich über eine Sache unterhalten können? Sie müssen etwas Gemeinsames haben, sonst würde jedes menschliche Individuum nur bei sich bleiben. Mit der gemeinsamen Sprache steht Menschen die Welt des Geistes zur Verfügung und sie kommen „aus ihrer Haut heraus“, können sich mitteilen und zum Beispiel ihre Wahrnehmung anderen zur Verfügung stellen. Diese gemeinsame Sprache zeigt deutlich an, dass den Menschen etwas Immaterielles und von sinnlichen Wahrnehmungen Abstrahiertes – also etwas vom Konkreten „Abgezogenes“ – zur Verfügung steht. Diese Dimension ist allgemein und steht allen zur Verfügung, weil sie vom Individuellem und Konkretem abstrahiert ist, und kann damit auch auf andere konkrete Fälle angewendet werden. Das Wort „Hund“ kann ich zu verschiedenen Hunden sagen und nicht nur zu meinem Bello. Die Welt der Wörter verbindet uns Menschen und macht uns allgemein, wenn wir sprechen gelernt haben, und verschafft uns Zugang zum Geist. In dieser Sphäre des Geistes wird nicht nur Kommunikation möglich, sondern auch Mathematik, Musik oder das Bauen eines Haus, das ja zuerst im Kopf konstruiert und dann mit den Händen gebaut wird.
Sowie Menschen aufgrund ihrer geistigen Seele räumlich und zeitlich aus ihrer Haut herauskommen, so können sie auch aufgrund ihrer geistigen Seele bei sich einkehren und mit sich selbst ins Gespräch kommen. Der Umgang mit der Wirklichkeit und das Gespräch mit anderen bietet Menschen die Möglichkeit, sich zu reflektieren, über sich nachzudenken und sich selbst zu wissen – selbstbewusst zu sein.
Wie kommt der Geist in die menschliche Seele? Auf diese Frage gibt es viele, ja sehr viele Antworten. Wie dem auch sei, meines Erachtens staunen fast alle Menschen darüber und meinen, etwas Göttliches sei in uns.
Mit einem lieben Gruß
Andreas Fritzsche
Ps. Im Dezember findet ein Seminar zum Thema Muße im St. Jakobushaus statt:
http://www.jakobushaus.de/veranstaltungen/veranstaltungen-chronologisch/musse-865.html
|