|
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
im Sommersemester lesen wir gerade Platons Gastmahl (Symposion), in dem das Thema Nr. 1 Thema ist: Eros, Liebe. Die Studierenden bekamen die Aufgabe, sich mit der Oma, dem Freund, Mitbewohner … über Liebe zu unterhalten, um für sich selbst zu klären: Was ist Liebe? Eine Studentin lieferte nach einer Woche handschriftlich Folgendes ab, dem ich nichts hinzuzufügen habe.
„Ich glaube nicht daran, dass Liebe biologisch fundiert ist, auch wenn rationale Erklärungen zur Genüge vorhanden sind. Außerdem wurde Liebe im Verlauf der Menschheitsgeschichte oft missbraucht: Bei vielen Kulturen gibt es schließlich auch heute noch Zwangsheirat und arrangierte Ehen.
Für mich ist Liebe einzigartig, irrational und unerklärlich zugleich. Sie kann mich zu dem glücklichsten, aber auch zu dem traurigsten Menschen auf Erden machen. Liebe habe ich bisher spontan, unberechenbar und grenzenlos, aber vor allem unlogisch erfahren. Sie überrascht einen immer in dem Moment, in dem man es am wenigsten erwartet. Liebe ist verrückt, denn wenn es einen trifft, dann sind viele guten Vorsätze und Ungleichheiten wie ausgelöscht. Man kann sich nicht aussuchen, wen man liebt, aber wenn es geschieht, ist es kraftvoll. Liebe kann Berge versetzen. Aber zwischen verliebt sein und Liebe besteht ein großer Unterschied. Oft kommt nach dem Verliebt sein schnell Ernüchterung. In die Beziehung kehrt Alltag ein und mit der Routine kommt er auch zu Unstimmigkeiten. Hier wird deutlich, dass Liebe bedeutet, Kompromisse einzugehen und auf gemeinsame Ziele hinzu arbeiten. Manchmal ist Liebe eine Frage der Zeit, Geduld, der Hingabe ohne Aufgabe. Liebe ist dann nach den Höhen und Tiefen des Anfangs Geborgenheit, gibt Halt und Kraft. Zwei Menschen sollten in Harmonie zueinander alt werden, Liebe schenken und bekommen, Zukunft haben, Familie und Kinder.
Liebe bleibt oft unerwidert, was für viele bedeutet, ohne Lebenspartner zu sein, aber nicht ohne Liebe. Für mich ist die vollkommene Liebe für die Ewigkeit zwischen zwei Menschen ein romantischer Mythos. Aber ich glaube an eine bedingungslose Liebe, die viele Gesichter hat, vor allem an die zwischen Familienmitgliedern (Mutter + Kinder, Geschwister untereinander) und Freunden.“
Einen schönen Wonnemonat Mai wünsche ich, der eben auch Maria (meiner Liebesgöttin) geweiht ist.
Mit einem lieben Gruß
Andreas Fritzsche
|