|
Die Geschichte von König Midas ist jedem wohlbekannt, der mit Hawthornes Tanglewood Tales groß geworden ist. Wegen seiner außergewöhnlichen Vorliebe für Gold gewährte ein Gott diesem ehrenwerten König das Vorrecht, dass alles, was er berührte, sich in Gold verwandelte. Anfangs war er entzückt; als er jedoch erleben musste, dass die Speisen in seinem Munde zu massivem Metall wurden, begann die Sache ihn zu beunruhigen; und als dann noch seine Tochter, der er einen Kuss gab, zur leblosen Goldsäule erstarrte, entsetzte er sich und bat den Gott, die Gabe wieder von ihm zu nehmen. Seither wusste er, dass Gold nicht das einzig Wertvolle ist. (Bertrand Russell, Lob des Müßiggangs, Nobelpreis 1950, S. 123.)
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
über den Stellenwert des Geldes geht manch einer einem Irrtum auf dem Leim. In erster Linie gehe es um Geldvermehrung. Darum würden wir arbeiten, wirtschaften und uns mühen. Bei Oswald von Nell-Breuning, dem alten Jesuiten und Erfinder des „Subsidiaritätsprinzips“, habe ich eine andere Wertschätzung des Geldes gefunden. In erster Linie arbeiten wir, um die Produkte und Dienstleistungen herzustellen, die wir zum Leben benötigen; darüber hinaus benötigen Menschen sinnvolle Tätigkeitsfelder, eben Arbeit. Erst an zweiter Stelle steht das liebe Geld. Als knappes Gut ist Geld ein Hygienefaktor und evaluiert Prozesse; als Gewinn versetzt es Unternehmen in die Lage zu investieren. Geld ist gut, es ist ein Gut, und wir benötigen es, um die Wohnung, Bücher und so weiter und so fort mieten oder erwerben zu können. Übrigens wollte noch keiner Streicheleinheiten in der Lohntüte habe, da sind uns echte Euros ganz lieb. Nur verkehrt wird es, wenn Geld den ersten Platz einnimmt; dann wird es pervers (verdreht) und diabolisch (durcheinander geworfen). Gier – avaritia – heißt dieses Laster. Geld muss einfach stimmen – im wahrsten Sinn des Wortes.
Meine Empfehlung: Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Entzaubern Sie Geld, sonst verwandelt sich Ihr Liebstes in Gold und ist tot. Geld muss stimmen – nicht mehr und auch nicht weniger. Einen schönen Juni wünsche ich.
Mit einem lieben Gruß Andreas Fritzsche
|