Was ist Erfolg? Print

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

am 22. Oktober 17:00 – 19:00 Uhr werden Klaus Berger, Christoph Kumpf und ich unser Buch „Ethik des Erfolgs“ in der Dombibliothek Hildesheim vorstellen. Bischof em. Dr. Josef Homeyer wird durch die Präsentation führen. Vor einigen Wochen fragte er mich, was denn Erfolg sei, und ich antwortete ihm.

Die Meister des Marketings sagen: „Erfolg ist das Erreichen selbstgesetzter Ziele.“ Das ist richtig und falsch. Richtig ist, dass Erfolg mit Zielerreichung zu tun hat, und es in der Regel um Ziele geht, die wir uns selbst setzen. Jedoch geben uns das Leben, die Wirklichkeit und andere Menschen sowie auch Gott Aufgaben, also Ziele, die wir uns gerade nicht selbst gesetzt haben. Darum ist es für den Erfolgreichen ein Gebot der Klugheit, die Aufgaben zu erkennen, die uns die Wirklichkeit gibt, sowie die eigene Berufung zu entdecken und den Handlungsspielraum zu erkunden.

Unter Erfolg verstehen die meisten eine berufliche Karriere, öffentliche Anerkennung und eine gewisse Machtfülle. „Freiheit für mich und Macht über andere“ lautet das Motto. Sicherlich sind Güter wie Karriere, Geld, Wohlstand und Anerkennung wichtige Güter, die doch erst ein angemessenes Gewicht erhalten, wenn sie Gütern wie Leben, Zuneigung, Achtung, Freundschaft sowie Schönheit und Gesundheit gegenübergestellt werden. Deutlich tritt diese Wertrangordnung hervor, wenn wir die Zeitachse verlängern, also „nachhaltig“ diese Güter betrachten und auch den Ressourcenverbrauch – z.B. einer beruflichen Karriere – in Betracht ziehen. Dem Erfolgreichen gelingt sein Leben als ganzes und er lebt in Freundschaft mit anderen und mit sich selbst – so Gott will. Kurzfristigen Zielen, die möglicherweise noch eindimensional sind, Leben zu opfern, wird sich als zu kurz gegriffen und sinnlos herausstellen.

Der Erfolgreiche kann sich selbst gut führen, was übrigens eine Voraussetzung dafür ist, dass er andere Menschen führen kann. Auch hier steht letztlich die Frage: Wer führt mich eigentlich? Sind es Prinzipien wie die Goldene Regel, der kategorische Imperativ, der Respekt vor dem Leben oder Machthunger, Gier usw.? Wem darf sich der Erfolgreiche anvertrauen?

Der Erfolgreiche gestaltet sich klug, gerecht, mutig und maßvoll, und er lässt sich mit Glaube, Hoffnung und Liebe beschenken. Die Selbstgestaltung geschieht auf den bisweilen steinigen und langen Wegen der Lebensführung; und Geschenke müssen auch angenommen und ausgepackt werden. Auf den Charakter eines Menschen kommt es an. Ist dieser in Ordnung, wird er in seinem Handeln die Früchte des Erfolgs ernten. Ein Mensch, der seinen Charakter in eine vernünftige Ordnung bringt, also tugendhaft ist, wird seine selbst gesteckten Ziele – so Gott will – erreichen. Er wird über Energie und Kreativität verfügen, weil er in Freundschaft lebt, weil er zur Ruhe kommt und sich der Wirklichkeit in einer zuversichtlichen Gelassenheit stellt.

Das Glück liegt im Handeln, wenn es denn gesegnet wird, und der Erfolg unserer Handlungen folgt unserem inneren Sein, unserem Charakter.

Mit einem lieben Gruß
Dr. Andreas Fritzsche


Tagung Ethik des Erfolgs 2009