Seven - Laster Print

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

im Oktober sprach ich über „böse“, über böse Handlungen, einen bösen Willen und die Konsequenzen. Der „böse Wille“ schädigt nicht nur die Welt, in der er sich bewegt, sondern korrumpiert und verletzt sich selbst. Einstellungen und Haltungen werden deformiert. Insbesondere die Einseitigkeit verformt den Charakter, die Einseitigkeit wird zur Last und auf lange Sicht zum Laster.

Handlungen – gute wie schlechte - hinterlassen Spuren in der Seele. Gewohnheiten entstehen, Einstellungen und Sichtweisen werden gebildet. Bisweilen bleiben auch Narben und Verletzungen. Wiederholen wir Handlungen, gestalten wir unseren Charakter. Eine Lüge macht noch keinen Lügner, doch die wiederholte Lüge macht den Lügner. Nicht nur weil das Lügen leichter fällt, weil sozusagen eine Lügenkompetenz erworben wurde, sondern weil das Lügen in Fleisch und Blut übergegangen ist, zur zweiten Natur wurde. Irgendwann wird sogar die Welt zur Lüge und nichts bietet mehr Halt. Nachhaltig kommt die moralische Qualität eines Menschen nicht nur aus dem Lot, sie wird im Kern gefährdet. Das, was ein Mensch sein kann, wird für diese Person kaum erreichbar, verkommt und verkümmert: die Güte eines Menschen steht auf der Kippe.

Auf lange Sicht gesehen verunstaltet die Einseitigkeit. Das ist die Unaufmerksamkeit, dann dieses „Nicht-sehen-wollen“, die Verschlagenheit, die Raffinesse, das „die anderen für dümmer halten als man selbst ist“ sowie jenes „permanente Kreisen um sich selbst“ verfestigen sich zum bösen Charakterzug, zum Laster.

  1. Hochmut – superbia – verstellt die richtigen Proportionen der Wirklichkeit: Im Mittelpunkt der Welt steht das Ego und es verleiht allen Dingen Würde und Bedeutung, Licht und Leben.
  2. Trägheit – acedia – entzieht der Welt die Farben und treibt ihr die Güte aus: Dem Hochmut folgt der Zynismus, der alles als sinnlos geißelt und in einer Trägheit des Herzens mündet.
  3. Vergnügungssucht – luxuria – reduziert Welt auf ein Warenlager der Lust: Die Welt findet ihre Existenzberechtigung im Unterhaltungswert, den sie bieten kann. Solange wir Spaß haben, darf sie sein.
  4. Zorn – ira – führt nur Feinde vor die blutunterlaufenen Augen: Die Menschen verlieren ihre Würde, weil in jedem Böses vermutet wird. So bleiben nur Feinde übrig, die es zu vernichten gilt.
  5. Völlerei – gula – verzehrt Welt und reduziert sie auf Verwertbarkeit: Nicht nur plumpes Hinterschlingen, sondern auch das kultivierte Genießen der erlesensten Leckereien – alles, was die Welt zu bieten hat – verzehrt die Welt.
  6. Neid – invidia – verzerrt die angemessene Wahrnehmung des Anderen: Das Wohlergehen anderer Menschen stellt sich als Bedrohung dar und muss entsprechend geahndet werden. Freude kommt nur noch als Schadensfreude vor.
  7. Geiz – avaritia – hat die Dollarzeichen im Auge und stutzt Welt auf diesen Wert: Menschen werden zu Personalkosten, Dinge werden auf ihren Marktwert reduziert … Jeder wolle ja nur Geld, und für Geld sei auch jeder zu bekommen.

Die Laster – seven – behindern Leben, lassen es gar nicht mehr aufkommen. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Mit einem lieben Gruß
Andreas Fritzsche