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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
Erziehung sei der Ernstfall der Ethik, ist meine These, und darum suchen wir nach Kriterien für gut und böse.
**** Wie erziehen wir unsere Kinder? Gut, und bitte nicht das Beste. Eine Zeitlang waren Erwachsene der Meinung, die Kinder sollen es besser haben als sie, und räumten ihnen alle möglichen Hindernisse aus dem Weg. Freilich sollte ein Kind nicht unnötig frieren oder hungern, doch es soll entdecken, dass zu jedem Wunsch eine Aufgabe – und zwar seine – gehört. Wenn die Eltern zum Beispiel dem Kleinen gestatten, in einer Mannschaft Fußball zu spielen, darf das noch lange nicht heißen, dass der Kleine zum Fußballtraining gefahren wird. Wie er zum Fußballplatz kommt, ist seine Aufgabe, und er kann sie allein lösen. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“ Das Kind entfaltet dabei nicht nur seine Fähigkeiten und Kräfte, es legt sich – sozusagen auf dem Weg zum Fußballplatz – gute Gewohnheiten zu, die es im späteren Leben dringend nötig haben wird. Durch diese Praxis lernt das Kind, sich zu strukturieren und Maßstäbe zu entdecken. Da hilft nicht viel Reden und Belehren, da hilft nur Machen – „Mach es einfach.“ Die Gewohnheiten, die uns wirklich strukturieren und stabilisieren, haben wir sehr früh erworben. Eltern muten ihren Kindern auch Konflikte zu und lösen nicht alle anstehenden Entscheidungen in Wohlgefallen auf. Im Konflikt, wenn zwei Werte miteinander konkurrieren, entdecken wir erst, was die eine Sache uns wert ist. Auch für Kinder sind Zeit und Geld knapp, auch für das Kind ist das schöne Ergebnis mit mühseliger Anstrengung verbunden und wenn es das eine wählt, kann es nicht auch noch etwas anderes tun. Entscheidungen sind mit Enttäuschungen verbunden. Wenn Georg sich für Tischtennis entscheidet, entscheidet er sich damit gegen Fußball und Schwimmen; und Georg wird sich dabei überlegen, was ihm Tischtennis wert ist.
***** Wie erziehen wir unsere Kinder? Bevor Opa stirbt. Werden Kinder größer, haben sie bekanntlich Schwierigkeiten mit den Eltern und finden ihre Großeltern wieder interessant. Maria quetschte die Gerda-Oma regelrecht aus, wie sie die Nachkriegszeit erlebte. Vielleicht ist es Abenteuerlust, vielleicht ist es Suche nach der eigenen Herkunft – auf jeden Fall hing Maria der guten Gerda an den Lippen. Spannende Erzählungen kommunizieren unter der Hand moralische Einstellungen und Einsichten, die mit einer glaubwürdigen Person verbunden echt, authentisch und überzeugend sind. Simon stellte kürzlich lapidar fest: „Bevor Opa stirbt, müssen wir seine ganzen dummen Sprüche noch aufschreiben, sonst gehen sie verloren.“ In dieser kleinen Respektlosigkeit steckt viel Respekt vor Opas Lebensweisheit. Was zählt im Leben? Was ist wirklich wichtig? Kinder und junge Erwachsene mögen und suchen diese Weisheiten. Vielleicht hatte Simon auch nur den Unterhaltungswert der großväterlichen Sprücheklopferei im Sinn, was umso besser wäre, denn der Witz steigert die Aufmerksamkeit und verlängert die Verweildauer im Gedächtnis. Übrigens kommen Sie als Erwachsener besser durch schwierige Situationen, wenn Ihnen eine eiserne Reserve an dummen Sprüchen zur Verfügung steht.
Fazit: Erziehen und nicht Klagen Über die heutigen Schwierigkeiten bei der Kindererziehung wird viel und gern gesprochen. Doch glaube ich nicht, dass früher die Wiesen grüner waren als heute. Erziehung war, ist und wird auch künftig eine anspruchvolle, schwere und zugleich schöne Aufgabe sein. Die entscheidende Frage ist, ob Sie sich der Erziehung Ihrer Kinder entziehen oder nicht.
Ein Letztes: „Erziehung bedeutet die Ausübung von Macht über Menschen. …. Wer Macht ausübt, kann sie auch missbrauchen“, schreibt Heike Schmoll heute am 19. März 2010 in der FAZ. Bitte erziehen Sie, dass Sie morgen damit noch glücklich sein können.
Mit einem lieben Gruß Dr. Andreas Fritzsche
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