

| Kompetenz für Führungskräfte | |||||
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| Kommunikation und Teamentwicklung | ||||
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| Verantwortung |
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Sehr geehrte Damen und Herren, Verantwortung hat Konjunktur. Das merkt man besonders in der politischen Rhetorik. Wenn zum Beispiel eine Partei sagt „Wir sind jetzt bereit, die Verantwortung zu übernehmen“, heißt das doch im Klartext „Wir wollen an die Macht.“ Worte, die emotional positiv aufgeladen sind, flutschen ganz schnell über die Lippen und dienen dazu, die eigentliche Intention zu tarnen. Das Wort Verantwortung ist zurzeit solch ein Kandidat. Geben Sie also Acht! Nebelbomben, Vertuschung, Lügen und Ablenkung tummeln sich gern im Umfeld dieses Wortes. Erst seit zwei, drei Jahrhunderten gibt es das Wort Verantwortung in der Ethik, und es kommt aus einem religiösen Kontext. Nach seinem Tod wird ein Mensch vor Gott stehen und Antwort für sein Leben geben müssen. Dieser Gedanke vom Jüngsten Gericht bringt eine gewisse Ernsthaftigkeit ins Spiel, und unter diesem langen zeitlichen Horizont, erhält die gegenwärtige Praxis eine andere Gewichtung: Lebe jetzt so, dass Du künftig Rede und Antwort stehen kannst – ohne wenn und aber. Das ist die Situation der Verantwortung im religiösen Kontext. Heute haben wir eine säkulare Variante – Rede und Antwort ohne Leben danach, ohne Richter und Ankläger. Wer das Wort Verantwortung in den Mund nimmt, muss drei Fragen beantworten: Das Wort suggeriert, dass wir für alles verantwortlich seien. Genau das zerstört Moralität und macht gutes Handeln unmöglich. Für wen wir nicht verantwortlich sind, wer sagt uns das? Wo liegen die Grenzen, oder sind wir in der Tat für alle und alles verantwortlich? Die Reichweite unserer Verantwortung wird durch die Grenzen unseres Handlungsspielraumes bestimmt. Wer für alles offen ist, ist nicht mehr ganz dicht. Wer für alles verantwortlich ist, ist für nichts mehr verantwortlich. Menschen sind Menschen – mit begrenzter Aufmerksamkeitsenergie, einfach mit Grenzen, die es zu respektieren gilt. Außerdem lenkt die Fernstenliebe immer von der Nächstenliebe ab und inszeniert nur einen Kult der Betroffenheit – die Betroffenheitskompetenz. Alles – das kann nur Gott verantworten, denn er hält die Welt in seinen Händen, ist in allem mächtig, kennt alles und weiß, was für jeden gut ist. Wären wir für alles verantwortlich, würden wir der Hybris, der Überheblichkeit, dem schlimmsten aller Laster anheimfallen, und wie Gott sein wollen. Hybris ist dumm und geht auch dumm aus.
Meines Erachtens hat das Wort Verantwortung Konjunktur, weil es das harte und lustfeindliche (nicht mehr zeitgemäße) Wort Pflicht umschifft und trotzdem denselben Sachverhalt bezeichnet. Vielleicht ist die Frage besser: Was sind meine Pflichten? Verantwortung hat auch Konjunktur, weil sie zum Aktionismus drängt, und unserem Lebensgefühl entspricht. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Eine Alternative gibt es, und wir sehnen uns nach ihr. Die Dinge sein lassen, wie sie sind, und ihnen Zeit zum Reifen gewähren. Aufmerksam und achtsam bleiben - mehr nicht, weniger auch nicht. Oder muss immer alles in unserer Verantwortung liegen? Einen schönen Sommer wünsche ich Ihnen und verbleibe mit herzlichen Grüßen Dr. Andreas Fritzsche ps. Im Herbst wird das Buch, Klaus Berger und Andreas Fritzsche, Gut oder böse? Tugenden für Anfänger, erscheinen.
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