

| Kompetenz für Führungskräfte | |||||
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| Kommunikation und Teamentwicklung | ||||
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| ordo amoris |
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Sehr geehrte Damen und Herren, das Wort Verantwortung suggeriert bisweilen, dass wir für alles verantwortlich seien. Genau das zerstört Moralität und macht gutes Handeln unmöglich. Warum? Es gibt Differenzierungen zwischen Menschen – und zwar aufgrund der Nähe und Ferne. Wie nahe ist mir jemand am Herzen? Augustinus nennt das „ordo amoris“, Rangordnung der Liebe. Nur ich kann meinen Kindern Vater sein. Wenn der Nachbar diese Aufgabe übernähme, würde er sich etwas anmaßen. Nur ich kann meiner Frau Ehemann sein, wenn der Nachbar … Auch wenn das Beispiel derb auftritt, macht es deutlich, dass wir Menschen nicht in jeder Hinsicht gleich sind und dass es Differenzen der Nähe und damit der Zuständigkeit gibt. Nur ich kann meinen Kindern Vater sein, und darum obliegt mir ihre Erziehung „zuförderst“, wie es das Grundgesetzt im Artikel 6 nennt. Erziehung kostet Aufmerksamkeit, Energie und Lebenszeit, die für andere nicht mehr zur Verfügung stehen können. Wenn wir etwas tun, müssen wir etwas anderes sein lassen. Für diejenigen Menschen, die uns ans Herz gewachsen und am nächsten sind, sind wir intensiver verantwortlich als für Menschen in der zweiten, dritten oder fünften Reihe. Die Nachbarskinder haben schon einen höheren Anspruch an mich als die Kinder eines anderen Stadtteils meiner Stadt, denn die Nachbarskinder Micha, Marie und Niklas sollte ich schon mit dem Namen kennen und ansprechen. Übrigens merken wir diese Nähe intensiv auf unseren Urlaubsreisen: Im Ausland freuen wir uns, wenn wir ein Auto mit unserem Kennzeichen sehen. Die Bibel formuliert die Frage nach der Verantwortung etwas anders: „Wer ist dein Nächster?“ – und stellt sie in den Mittelpunkt, weil dem Nächsten das Wohlwollen gilt. Deutlich sagt Gott, dass wir für den Nächsten da sind, und nicht für den Fernsten. Die einzig interessante Frage ist „Wer ist dein Nächster?“ Gleich am Anfang der Bibel wird eine Scheinfrage gestellt, welche den Nächsten frech beiseite schiebt und einen Mord legitimieren will. „Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Genesis 4, 8 – 10 Kain ist der Hüter seines Bruders. Das weiß er, das ist ihm klar, sonst könnte er nicht einmal diese Frage stellen. Für wen wir verantwortlich sind, sagt uns die „ordo amoris“, denn sie strukturiert, differenziert und präzisiert unsere Pflichten. Für wen wir nicht verantwortlich sind, wer sagt uns das? Wo liegen die Grenzen, oder sind wir in der Tat für alle und alles verantwortlich? Überall dort, wo das Abstrakte statt des Konkreten gewollt wird, liegen die Grenzen. Was ist damit gemeint? Der Arzt soll diesen Patienten und nicht das Gesundheitssystem heilen. Wenn das Ferne zum Nahengemacht wird, fällt das, was wirklich zu tun ist, aus der Aufmerksamkeit heraus. Wer für alles offen ist, ist nicht mehr ganz dicht. Wer für alles verantwortlich ist, ist für nichts mehr verantwortlich. Menschen sind Menschen – mit begrenzter Aufmerksamkeitsenergie, einfach mit Grenzen, die es zu respektieren gilt. Außerdem lenkt die Fernstenliebe immer von der Nächstenliebe ab und inszeniert nur einen Kult der Betroffenheit – die Betroffenheitskompetenz. Alles – das kann nur Gott verantworten, denn er hält die Welt in seinen Händen, ist in allem mächtig, kennt alles und weiß, was für jeden gut ist. Wären wir für alles verantwortlich, würden wir der Hybris, der Überheblichkeit, dem schlimmsten aller Laster anheimfallen, und wie Gott sein wollen. Wir können nicht alles. Wir können allerdings konkreten Menschen wohl wollen. Seien Sie für Ihre Lieben einfach da, sage ich mal an meinem 26. Hochzeitstag, und wünsche Ihnen Lebenslust. Dr. Andreas Fritzsche
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