Werte und Güter Print

Liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren,

das Wort Wert taucht erst im 18. Jahrhundert auf und kommt von der Wirtschaft in die Ethik. Im Bankwesen und in der Wirtschaft spricht man von Wertschöpfung, Wertbereitstellung, Wertberichtigung, usw. Deutlich wird daran, dass eine Sache erst zu einer wertvollen Sache wird, wenn sie von einem Menschen oder einer Gruppe wertgeschätzt wird. Durch Wert­schätzung erhält eine Sache einen höheren oder niederen Wert. Das klassische Beispiel dafür ist das Glas Wasser in der Wüste. Für einen Verdurstenden kann dieses Glas Wasser eine Million Euro wert sein, denn er möchte sein Leben erhalten. Selbst in Istanbul laufen solche Wasserverkäufer herum, weil es sich lohnt, Menschen Wasser zu verkaufen. Nur in Deutschland und schon gar nicht an einem verregneten Novembertag ist das Glas Wasser überhaupt etwas wert. Damit will ich sagen, dass der Wert des Glases Wassers nicht in der Sache, sondern in der wertschätzenden Person liegt.

Ihre Aufmerksamkeit möchte ich darum auf drei Differenzierungen bzw. Ebenen lenken:

1. Wert für mich. Weil wir Menschen bisweilen sehr unterschiedliche Neigungen, Vorlieben und Interessen haben, fallen unsere Wertschätzungen auch entsprechend unterschiedlich aus: Der eine mag Fußball, die andere erfreut sich über klassische Musik usw. Darum haben wir ganz persönliche, individuelle Werte, und die kann man recht leicht heraus finden: Sag mir woran Dein Herz hängt, und ich sage Dir, wer Dein Gott ist. Glücklicherweise ist das so, denn so können wir Farbe in die Welt bringen und uns gegenseitig bereichern. Bisweilen bereitet diese Individualität auch Probleme, wenn jemand zum Beispiel bei Omas 80. Geburtstag keine Torte mag.

2. Wert für uns. Wenn Menschen in Familien oder Unternehmen zusammen leben bzw. arbeiten brauchen sie – bei allem Respekt vor ihrer Individualität – gemeinsame Wert­schätzungen oder sie lassen sich scheiden bzw. müssen Insolvenz anmelden. Zum Beispiel sollten in der Familie die weihnachtlichen Rituale oder das Briefgeheimnis eine annähernd gleiche Wertschätzung erfahren. Auch im Unternehmen sollten die Zuneigung zum Produkt, Loyalität und Zuverlässigkeit eine gemeinsame Wertschätzung finden.

3. Wert an sich – ein Gut. Dann gibt es noch eine Gruppe von Werten, nämlich die immer gelten, auch wenn sie augenblicklich keiner wertschätzt. Das sind die Güter. Zum Beispiel sind sauberes Wasser und Gesundheit Werte an sich. Das merken wir erst, wenn diese Güter abhanden gekommen sind. In der Demokratie spricht kaum jemand über Freiheit, in einer Diktatur diskutieren fast alle darüber. In der Jugend opfert man seine Gesundheit, um Geld zu verdienen; im Alter gibt man alles Geld aus, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Das kennzeichnet Güter, und Sie können auch sagen: objektive Werte.

Weil es nun viele, ja sehr viele Werte gibt, kommt alles auf die Wertrangordnung an: Welcher Wert, welches Gut sitzt auf dem Thron? Wofür geben wir alles her? Nach welchen Kriterien ziehen wir einen Wert vor und setzen einen zurück? Darüber können Sie im Dezember etwas lesen.

Gute Tage im November und einen gesegneten Advent wünsche ich Ihnen
Andreas Fritzsche

Ps. Vom Freitag, 14. Januar, bis Sonntag, 16. Januar 2011, veranstalte ich im St. Jakobushaus Goslar das Seminar „work-life-balance. Zeitmanagement der vierten Generation“. In der Anlage finden Sie das Programm sowie weitere Informationen. Auf Ihre Anmeldung freue ich mich.