Kündigung Print

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde,

Trennung und Kündigung kommen im Leben einfach vor, und darum ist es mühselig, über Sinn und Unsinn von Kündigungen zu diskutieren. Die Aufgabe besteht darin, Kündigungen so zu handhaben, dass das Leben gut weitergeführt werden kann. „Gib jedem jederzeit die Chance, unter Wahrung seines Gesichts den Raum verlassen zu können“, lautet die Maxime. Das ist leicht gesagt, denn die Trennung ist ein tiefer Einschnitt ins Leben und geht an die Existenz eines Menschen. Darum antworten die meisten auf die Trennungsbotschaft mit Existenzangst und lassen sich vom Selbsterhaltungstrieb navigieren, also von Emotionen und nicht von der Vernunft.

Kündigung, was ist damit gemeint? Einmal kann der Arbeitgeber kündigen – entweder verhaltensbedingt oder betriebsbedingt. Dann kann aber auch der Arbeitnehmer kündigen – ganz offen mit einem Brief oder still und heimlich mit der „inneren Kündigung“. Es gilt also, die Situation zu erkennen und dann den entsprechenden Weg einzuschlagen. Auf jeden Fall muss mit aller Sorgfalt und Diskretion die Kündigung vorbereitet werden: wahrnehmen, beraten, entscheiden und dann kommunizieren. Dem geltenden Recht, und das sind in Deutschland viele Gesetze und in der Regel auch ein Tarifvertrag, will zur Geltung verholfen werden, die Kosten wollen kalkuliert sein und die Gründe dargelegt werden.

Dann erst geht es in das Trennungsgespräch. Die Botschaft muss deutlich und couragiert im Indikativ aktiv gesagt werden, denn wir Menschen vertragen fast alles, wenn es uns nur klar und persönlich mitgeteilt wird. Bei diesem Gespräch ist es sinnvoll, gedanklich die Seite zu wechseln: Wie geht es dem jetzt? Wo sind jetzt seine Gedanken und Gefühle? Auf jeden Fall agiert nun im Gekündigten die erste biologische Aufgabe „Selbsterhaltung“ und Emotionen dominieren. Diesen Reaktionen – Weinen, Wut, Starre, Brüllen … - kann man Raum und viel Zeit geben, denn so eine Botschaft will verdaut werden. Manch einer ist danach in der Lage, die Kündigungsgründe aufzunehmen, wovon man nicht ausgehen sollte, denn in emotionalen Turbolenzen nehmen Menschen nichts wahr und schon gar nicht mit Vernunft. 

Im zweiten Schritt der Trennung folgt die Neuorientierung. Dafür gibt es viele Methoden. Wichtig dabei ist das Ziel, dem gekündigten Menschen Zukunft und ein „gutes Leben“ zu ermöglichen; und das ist nicht nur ein Gedanke, sondern eine Gerechtigkeitspflicht. Die Kündigung ist einer der tiefsten Einschnitte in das Leben eines Menschen, das eben nicht zerstört werden darf. Vielleicht zeigt sich sogar in der Trennung eine Chance, sein Leben gelingen zu lassen, und darum können diese Chancen gesucht und realisiert werden.

Wenn die Kündigung schlecht und einfach feige stattfindet, sind die Schäden gigantisch. Der Gekündigte nimmt Wissen und Kunden mit, kann in Sabotageakten Rache üben oder Kündigungsschutzklage einreichen. Dabei eskalieren nicht nur die Kosten, auch das Image des Unternehmens nimmt Schaden und die Unternehmenskultur geht den Bach runter. Die Verbliebenen fahren Dienst nach Vorschrift, wollen auf jeden Fall nicht auffallen und reduzieren ihre Aktivität nach dem Motto „Bloß keine Fehler machen.“ Die Selbstbewussten sagen sich „Das lass ich mit mir nicht machen“, kündigen selbst und suchen sich einen neuen Arbeitgeber, das heißt, die Leistungsträger hauen ab, denn sie wissen, was sie wert sind. Dann hat das Unternehmen ein richtiges Problem: Die Leistungsträger sind geflohen und die anderen machen ängstlich Dienst nach Vorschrift. Es lohnt sich also, die Trennung nicht nur juristisch wasserdicht, sondern moralisch gut zu machen.

Ein gesegnetes Pfingstfest – veni creator spiritus – wünsche ich

Andreas Fritzsche