Bewegung

Manchmal gehen wir ins Kino und das hat etwas mit Bewegung zu tun, nicht nur weil wir uns ins Kino bewegen müssen, sondern weil es dort bewegte Bilder zu sehen gibt. Darum auch der Name Kino von „kinesis“ – griechisch: Bewegung.

(1) Wir moderne Menschen verstehen unter Bewegung nahezu ausschließlich die Ortsbewegung, also wenn wir uns vom Sofa ins Kino bewegen, oder wenn sich der Film im Projektor bewegt. Da haben Menschen schon seit Jahrtausenden die Vorstellung einer vollkommenen Bewegung – und zwar die des Kreises. Der Kreis entsteht durch die Bewegung eines Zirkels um den Mittelpunkt und auf dem Kreisumfang können sich Dinge ganz gleichmäßig, ohne Anfang und Ende bewegen. Beobachten kann man solch eine vollkommene, kreisförmige Bewegung an den Planeten und Sternen.

(2) Über eine weitere Bewegung kann man auch mal nachdenken: über Werden und Vergehen. Sowohl natürliche, als auch technische Dinge entstehen und vergehen, was eben auch eine Bewegung ist.

(3) Eine dritte Bewegung können wir an Kindern beobachten, wenn sie ihre Begabungen realisieren, zum Beispiel wenn sie anfangen zu laufen. Sie haben als Menschen das Vermögen, laufen zu können, und verwirklichen dieses Potential, wenn sie tatsächlich laufen. Anfänglich ist das zwar etwas tappsich, aber mit der Zeit wachsen Muskeln, Füße sowie Beine und sie laufen ganz selbstverständlich. Diese dritte Bewegung beschreibt den Weg von der Möglichkeit zur Wirklichkeit, von „dynamis“ zu „energeia“. Ohne Bewegung kommt man nicht ans Ziel, an die vollkommene Wirklichkeit „entelecheia“. Genauso wird aus einer Eichel eine Eiche in voller Pracht.

(4) Auf die vierte Bewegung kommen wir moderne Menschen nicht, nämlich auf das Denken. Doch umgangssprachlich sagen wir einem stumpfsinnigen, gedankenträgen Menschen: „Setz doch mal deine Gedanken in Bewegung und denke nach!“ Was passiert beim Denken? Ich denke nach, bin aufmerksam und schaue gedanklich voraus. Auf jeden Fall erleben wir uns beim Denken in Bewegung.

Freilich kann man fragen, woher die Bewegung kommt und wohin sie führt. Eine Antwort: Bewegung rührt von einem Ersten her, das selbst nicht von einem anderen bewegt wird oder bewegt worden ist, weil das Erste selbst Bewegung ist. Bewegung steht am Anfang und ist ein Prinzip der Wirklichkeit, in der wir leben.

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