Geld – das „liebe“

Erst mal ist Geld ein Kunstding und ganz unnatürlich, denn es kommt in der Natur nicht vor und wird von Menschen hergestellt. Der griechische Name „nomismos“ verweist darauf, dass Geld durch das Gesetz (nomos) gemacht wird und die politische Gemeinschaft für die Validität bürgt. Weil Geld völlig neutral – wie jedes Maß, wie zum Beispiel ein Zollstock – ist, kann es auf ganz Vieles angewendet werden, um dessen Wert – genau gesagt: dessen Handels- oder Marktwert – zu messen. So kann Geld völlig unterschiedliche Produkte, Dienstleistungen, Steuerlasten oder Besitzgüter nicht nur messen, sondern auch vergleichen, das heißt, einen Ausgleich bewirken. Findet Geld in einem Gemeinwesen Anerkennung und genießt es öffentliches Vertrauen, dann dient es als omnipotentes Kommunikationsmittel, indem es ganz verschiedene Güter, Leistungen und Pflichten kommensurabel (messbar, vergleichbar) macht. Die Akzeptanz deckt sozusagen diesen Wertmaßstab, oder Geld bleibt einfach nur ein Stück Papier, Metall oder eine Zahl in irgendeinem digitalen Medium, dann ist es nur „ein uneingelöstes Versprechen“.

Indem Geld fast alles ganz abstrakt messen, bewerten und vergleichen kann, gewinnt es eine  gewaltige Macht über den wertschätzenden Menschen. Besitz ist immer an ein konkretes Gut – an ein Haus, Grundstück oder nur ein Fahrrad – gebunden. Geld kann vom konkreten Gut ablösen, das heißt abstrahieren, und im Gegenzug auf alles angewendet werden. Darin liegt seine gewaltige – fast göttliche – Macht: mit Geld kann man fast alles machen.

Nicht nur die Evangelien sprechen von der nahezu göttlichen Omnipotenz des Geldes und nennen es Mammon, auch die Römer legten das Geld in den göttlichen Bereich. Auf dem Kapitol in Rom stand der Tempel der Moneta und hier wurde das Geld geschlagen, hier stand die Münzstätte Roms; und Moneta ist ein anderer Name der Juno. Anders gesagt, Geld hat die Aura des Göttlichen, des Faszinosums.

Trotzdem muss man festhalten: Geld ist moralisch indifferent, das heißt, es ist weder gut noch schlecht. „Pecunia non olet“, Geld stinkt eben nicht, wie Kaiser Vespasian feststellte. Was schlecht sein kann, ist der Umgang mit dem Geld. Das ist wie mit einem Messer, welches man zum Wurstaufschnitt benutzen oder auch einem Menschen in die Brust rammen kann. Das Messer selbst beleibt unschuldig – jenseits von gut und böse.

Die Gretchenfrage ist nicht nur, ob ich an diesen Gott glaube, ob er mein Herz ausfüllt und ich ihm mein Leben opfere, sondern auch wie ich mit dem Geld umgehe und wozu ich dieses Mittel gebrauche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.