Wie erziehen wir unsere Kinder? (1)

Wenn es um die Kinder geht, wird es ernst. Schon bei den Tieren kann man das beobachten. Kleine Vögel greifen größere Vögel, welche die Brut rauben wollen, an und riskieren dabei alles. Bei Menschen, wenn sie nicht völlig verwahrlost sind, kann man das ebenso beobachten. Warum suchen die Eltern nach Kriterien, was ihren Kindern zuträglich oder schädlich ist? Warum sind sie weniger tolerant und wählen sorgfältiger aus? Sie sind ihr eigen Fleisch und Blut. Die Kinder sind den Eltern ans Herz gewachsen; sie sind ihnen so nahe am Herzen, näher geht es nicht. Darum haben Eltern den sehnlichsten Wunsch: die Kinder sollen „gute Menschen“ werden; und darum machen sie sich Gedanken, sprechen und streiten, was richtig oder falsch ist. Ergo: Erziehung ist der Ernstfall der Ethik, denn erstens geht es in der Erziehung um das Wertvollste, was Menschen haben – um ihre Kinder. Zweitens geht es um etwas, was Menschen zu Menschen macht – um einen guten Charakter, um die zweite Haut. Und drittens wollen Eltern in der Erziehung klare Kriterien für „gut“ und „böse“ haben.

*Wie erziehen wir unsere Kinder? Liebevoll. Wir wollen, dass unsere Kinder zuerst einer freundlichen Wirklichkeit begegnen, und dass sie vertrauen können. So können sie ihre Kräfte entfalten und sich entwickeln, Fremdes erkunden und Neues entdecken. Wir wollen, dass unsere Kinder der Wirklichkeit vertrauen und an die Güte der Welt glauben können. Glücklicherweise hat das Kind es zuerst mit der Mutter, dem Vater und den Geschwistern zu tun, womit dafür gesorgt ist, dass es zuallererst einer liebevollen, gütigen Wirklichkeit begegnet. Ohne Vertrauen oder Glauben werden sie es schwer haben, alle die wunderbaren Begabungen, Talente, den ganzen inneren Reichtum ans Tageslicht zu bringen und zu realisieren. Ohne Vertrauen, dass es die anderen mit uns gut meinen, gelingt kein Selbstvertrauen und die Entwicklung der Fähigkeiten kommt nicht in Gang.

**Wie erziehen wir sie? Wir verwöhnen sie nicht, wir erziehen sie – nehmen sie in Zucht. Auch wenn Nuckeln angenehm ist, insbesondere wenn etwas Süßes rauskommt, und das Kleine immer mehr und sowieso immer nur nuckeln will, werden Eltern dafür sorgen, dass es nicht permanent dem süßen Lustgewinn frönt. Das Kind ist damit wahrlich nicht einverstanden, was die Eltern auch zu hören bekommen: Es schreit. Erziehen heißt hier, in Zucht nehmen. Das Kind wird der Lust-Unlust-Steuerung entwöhnt, und dadurch erhalten andere Motivatoren eine Chance. Ob nun Verwöhnen das Schlimmste ist, was man einem Kind antun kann, darüber lässt sich sicherlich streiten; doch eines wird klar: die Entfaltung der Möglichkeiten und Begabungen kommt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum Zug. Mental wird es auch als Erwachsener nuckelnd seinen Daumen im Mund bewegen und infantil bleiben.

***Eltern muten ihren Kindern einiges zu. Was denn? Das Leben, so wie es ist. Das gibt es auch Unangenehmes und sogar Schmerzen, zum Beispiel Zahnschmerzen. Wenn das Kind Zahnschmerzen hat, geht es trotz aller Angst zum Zahnarzt, und die Mutter wird dem Kleinen sagen „Sei tapfer!“ Alles andere hat keinen Sinn. Wir müssen einfach lernen und üben, mit unserer Angst vor Unangenehmen und Schmerzen umzugehen. So wächst das Kind, entdeckt seine Fähigkeiten und entfaltet sie. Wir wachsen an unseren Aufgaben und mit ihnen. Freilich ist dabei eine Balance zwischen Unterforderung und Überforderung zu beachten, doch das Schlimmere ist die Unterforderung. Kinder wachsen an ihren Aufgaben, und darum brauchen sie Aufgaben – Pflichten, die ihnen obliegen: das Altglas in den Container bringen, einkaufen, Telefonate entgegen nehmen und all die Klassiker wie Tisch decken. Außerdem kann jeder – auch der Kleine – einen Beitrag für das gute Leben in der Familie bringen. Das tut allen gut und schafft auch das Selbstwertgefühl bei dem Kleinen „Ich kann das schon.“

Den Gedankengang werde ich fortsetzen.

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