Honorar

Honorar und Lohn werden in der Regel synonym gebraucht. Doch da gibt es einen Unterschied, der aufmerken lässt.

Eine Geldzahlung für eine erbrachte Leistung suggeriert, dass mit dem Geld die Leistung bezahlt sei. Mit dem Blick auf Lohn stimmt das ja auch. Erhalte ich zum Beispiel vom Maurer Braun eine Rechnung, auf der die Lohnstunden mit 48,00 € netto neben verschiedenen Materialien und anderen Aufwendungen angeführt werden, und ich bezahle diese Rechnung, dann ist die Leistung des Maurers abgegolten und ich bin ihm nichts mehr schuldig. Durch die Bezahlung der Rechnung ist nichts mehr offen, denn das Geld gleicht die erbrachte Leistung aus. Dafür haben die Mensch auch das Geld erfunden. Es kann als ein neutrales Maß Unterschiedliches ausgleichen, weil es Dinge und Leistungen kommensurabel machen kann. Wie sollte ich sonst dem Maurer Braun gerecht werden? Mit Philosophieseminaren ist ihm nicht geholfen, mit den Euros auf seinem Konto kann er schon etwas anfangen. Der Lohn gleicht die erbrachte Arbeit wie die vermauerten Steine vollständig aus.

Anders verhält es sich bei dem Musiker Timo. Wenn er mit seinen Freunden am Abend einer Akademietagung ein kleines Konzert gibt, dann kann ich ihm die Leistung mit einem Geldbetrag honorieren, aber nicht bezahlen. Honorar meint hier erstens die Anerkennung – also das Honorieren – seiner Bemühungen und zweitens einen Beitrag zu seinem Lebensunterhalt, denn vom Applaus kann er keine Miete bezahlen. Honorar bedeutet hier, dass mit der Geldzahlung die musikalische Leistung nicht abgegolten bzw. bezahlt ist. Warum? Sicherlich kann Geld vieles kommensurabel – vergleichbar – machen, aber eben nicht alles. Leistungen der „freien Künste“ sind inkommensurabel also unvergleichbar. Das Honorar wertschätzt die Leistung und liefert einen Beitrag zum Lebensunterhalt, geltet sie allerdings nicht durch einen Geldzahlung ab.

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