Krise und Katastrophe

Häufig werden Krise und Katastrophe verwechselt. Darum lohnt es sich, beide Wörter anzuschauen.

Krise bezeichnet eine Entscheidungssituation wie eine politische Krise oder Ehekrise. Das griechische Wort kommt vom Verb „scheiden“ und „urteilen“. Die Krise meint eine Notlage, einen Zustand, der zu einer Entscheidung bzw. zu einem Urteil drängt. Vielleicht kann man diese Situation mit dem Gerichtssaal vergleichen. In diesem Raum wird ein Urteil gefällt, das der Richter spricht; und dieser Raum hat zwei Türen – eine ins Gefängnis und eine auf den Flur.

Die Entscheidungssituation bereitet uns keine Freude, und wir erleben sie als verwirrend und chaotisch. Allerdings vergessen wir in der Regel dabei, dass in jeder kritischen Situation eine Chance, eine Lösung steckt, die sich leider nicht offensichtlich zeigt. Im Nachhinein entdecken wir dann, dass wir diese Krise bitter nötig hatten, um einen Kurswechsel zu vollziehen. Manche Krise bewahrt uns vor dem Absturz.

Das Wort Katastrophe meint genau diesen Absturz. Um wieder eine Metapher zu bemühen, kann man sich die Katastrophe bildlich als Kieloben und Untergang vorstellen, denn das griechische Wort heißt „umdrehen“ (und „zerstören“). Sie fahren mit einem Schiff, kommen in einen höllischen Sturm und das Schiff dreht sich um, so dass nicht mehr die Aufbauten, sondern das Kiel oben liegt. Alle ertrinken auf dem Schiff. Da ist nichts mehr zu retten. Es geht ohne Chance unter.

Ergo: Wir brauchen Krisen, um Katastrophen zu entgehen.

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