transzendent – transzendental

Die Wörter „transzendent“ und „transzendental“ klingen zum Verwechseln ähnlich und werden darum auch gern synonym verwendet, was allerdings falsch ist. Darum ist die Frage nach diesen Begriffen in Philosophieprüfungen sehr beliebt, und manch einer ist darüber schon gestrauchelt. Beide Worte haben das lateinische „transcendere“ gemeinsam, was „überschreiten“ oder „hinüberschreiten“ bedeutet.

Das ältere von beiden ist „transzendent“ und bezeichnet ein Hinüberschreiten von der diesseitigen in eine jenseitige Welt. Wahrnehmungen, Erfahrungen, Bezeichnungen, Begriffe, Einsichten und Zusammenhänge aus unserer diesseitigen Lebenswelt werden genommen und auf eine jenseitige Welt übertragen, das heißt auf eine Welt, die mit unserer sinnlichen Wahrnehmung und rationalen Denkvermögen nicht erreichbar ist. Das Wahrnehmungs- und Denkvermögen bilden eine Grenze, die überschritten – also transzendiert – wird. So kann man zum Beispiel transzendent vom Urknall oder von Gott als Anfang ohne Anfang sprechen.

Das Wort „transzendental“ führte Immanuel Kant ein, um seine kritische Philosophie zu charakterisieren, die dann auch Transzendentalphilosophie heißt. Was macht menschliches Erkennen überhaupt erst möglich? Was sind die Möglichkeitsbedingungen des Erkennens? Was liegt „vor“ jeder menschlichen Erkenntnis? Die erste Antwort: Raum und Zeit sind für die sinnliche Wahrnehmung notwendig und liegen darum „transzendental“ vor jeder Erfahrung; anders gesagt: Ohne Raum und Zeit kann es keine Erfahrung geben. Darum können wir vom Urknall auch nichts aussagen, denn Raum und Zeit entstanden erst nach dem Urknall. Die zweite Antwort: Weil die Wahrnehmungsdaten noch unsortierte und nichtidentifizierte Informationen der Sinnesorgane sind, benötigen sie ein System der Zuordnung – und das ist die Vernunft mit ihren Kategorien. Im Denk- oder Erkenntnisvermögen finden wir Sortierkriterien, die „transzendental“ vor jeder Erkenntnis in der menschlichen Vernunft vorhanden sind.

Vorsicht: Das zum Verwechseln ähnliche Wort „Transzendentalien“ gehört nicht zu Kants Wortschatz; siehe den Gedanken des Monats „Transzendentalien“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.