Gott – wer ist das?

Vor einem Jahr frug ich, ob es Gott gibt, und vertrat dabei die These, dass es Gott gibt, bekommt die (natürliche) Vernunft heraus. Unumstritten ist diese These und vor allem der Weg der Vernunft nicht, wie einige Antworten auf diesen Gedanken belegen. Wie dem auch sei, ich gönne mir einfach den Luxus zu behaupten, dass wir Menschen den Gedanken an Gott nicht los werden.

Nun stellt sich die Frage, wer Gott ist, denn das Wort „Gott“ besagt als Gattungsbegriff nicht viel mehr als das Wort „Pferd“. Um bei diesem Beispiel zu bleiben, ist es schon interessant, welches Pferd ich meine. Auch bei Gott ist das so, weil es ja viele Götter gibt. Freilich fallen einige schon raus, weil sie zwar wie ein Gott machtvoll auftreten und Anerkennung, Anbetung erheischen – wie zum Beispiel der Mammon, die Karriere und die Zufriedenheit. Dass sie letztlich ohnmächtig sind und auf tönernen Füßen stehen, entdeckt schon die Vernunft, wenn wir mal gründlich darüber nachdenken. Positiv kann die Vernunft allerdings wenig beitragen.

Trotzdem behaupte ich, und das ist meine These Nummer zwei, dass jeder einen (seinen) Gott hat und sich ihm unterwirft. Die Beobachtung, das Zuhören und die Gespräche servieren mir diese Einsicht. Die Frage, wer Gott (für mich) ist, ist ein Thema des Herzens und folgt der „logique du coeur“:

Sag mir woran Dein Herz hängt, und ich sage Dir, wer Dein Gott ist.
Sag mir worin Du Dein Glück suchst, und ich sage Dir, wer Dein Gott ist.In dieser Hinsicht ist mir noch kein Atheist über den Weg gelaufen, weil wir werten und Entscheidungen fällen müssen, wenn wir handeln wollen. Dann liefert „mein Gott“ den Orientierungspunkt, dann entdecken wir, wer tatsächlich auf dem Thron im Herzen sitzt. Wie gesagt, geht es bei dieser Thronbesteigung nicht immer (oder fast nie) rational zu, weil das Herz einer anderen Logik folgt als die Vernunft. Dann kann es schon passieren, dass zwar der Mammon oder die Karriere rational als Gott verneint werden, doch faktisch das Herz eines Menschen erobert haben und total ausfüllen. Man erkennt das schlicht und einfach daran, wie viel Lebenszeit der Karriere, um bei diesem banalen Beispiel zu bleiben, geopfert wird. Es soll ja vorkommen, dass manchen ihre ganze Selbstachtung und geliebte Menschen diesem Gott vor die Füße legen.

Verwirrungen sind bei diesem Thema nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Angesichts der Kürze des Lebens und des Schadens, der in der Regel Irrtümern folgt, verfolge ich eine konservative Strategie und lass mich von der Weisheit der Menschheit leiten: Wer Gott ist, muss ich mir sagen lassen. Wer Gott ist, lass ich mir von der Offenbarung und Tradition sagen. Dann schlage ich die Bibel auf, weil ich ihr vertraue, und folge einer zweitausendjährigen Christenheit, die seit vielen Generationen um die Frage ringt, wer nun ihr Gott ist.

Unvernünftiges wird mir nicht zugemutet, auch wenn nicht alles auf den ersten Blick plausibel einher kommt. Das ist meine These Nummer drei, die freilich nicht rational zwingend ist: Wer Gott ist, muss ich mir sagen lassen, und höre, der Gott Abrahams und der Vater Jesu Christi ist es; noch präziser: der eine Gott in drei Personen.

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